Heute wenden wir uns wieder dem Südwesten der Insel zu und erkunden die Gegend um die Stauseen Soria und Chira. Schon bei unserer Anfahrt über die GC-505 durch den Barranco de Arguineguin zum Ausgangspunkt unserer Tour in Soria erkennen wir aus einiger Entfernung die kolossale Staumauer, die hier in die Landschaft gesetzt wurde. Die gigantischen Ausmaße dieses Bauwerks kommen nicht von ungefähr, handelt es sich hierbei doch um das größte Sperrwerk des gesamten kanarischen Archipels mit einer Speicherkapazität von 32 Millionen Kubikmetern Regenwassers. Beim Start unserer Tour in Soria erkennen wir schnell, dass die Realität momentan weit von dieser Größe entfernt ist. Diese Erkenntnis überrascht uns, da ja ein zumindest einigermaßen regenreicher Winter hinter uns liegt, sofern man den zurückliegenden Oktober dazurechnet.
Obwohl der Stausee seit seiner Inbetriebnahme im Jahre 1972 noch niemals randvoll gewesen ist, hätten wir nicht mit diesem kleinen Rinnsal auf dem Grunde des Sees gerechnet.
Dankbar für die Wolken am Himmel und die schattige Temperatur von anfangs 13 Grad bewältigen wir unter diesen günstigen Wetterbedingungen den Aufstieg an der Westflanke des Felsmassives Risco del Agujero recht flott. Schnell haben wir uns von 630m auf 995m ü.N.N. in die Höhe geschraubt und erreichen das Hochplateau von La Palma. In dieses Plateau eingebettet befindet sich der Stausee „Embalse de Chira“. Kaum ist der Aufstieg abgeschlossen, verziehen sich die Wolken und geben nicht nur die Sonne, sondern auch einen grandiosen Blick ins Zentralmassiv frei. Nur der Roque Nublo macht seinem Namen alle Ehre und ziert sich noch einige Zeit hinter Wolken.
Wir umrunden den Stausee und durchqueren an seinem nördlichen Ende das Örtchen "Cercados de Araña“, das selbst am heutigen Samstag einen sehr ruhigen und verschlafenen Eindruck auf uns macht. Nachdem wir den See fast umrundet haben, lassen wir uns an seinem Ufer zu einer Rast hinreißen. Dabei lässt sich der überwältigende Fernblick in die Berge des Inselzentrums genießen, zumal sich auch der Nublo mittlerweile die Ehre gibt. Aus der kurzen Rast wird eine Siesta, da es sehr angenehm ist, sich vor dieser Kulisse von der Sonne aufwärmen zu lassen. Gerne wären wir noch viel länger hier oben geblieben, so wie es einige Wildcamper machen, die sich in unmittelbarer Nähe unseres Rastplatzes am See gut eingerichtet haben. Doch schließlich überwinden wir uns zum Aufbruch. Der Rückweg führt über die Staumauer und entlang eines großen Wasserrohres zurück aufs Plateau von La Palma und von dort auf dem selben Weg talwärts zum Soria-Stausee. Bemerkenswert ist, dass uns auf der gesamten Strecke niemand begegnet ist, obwohl sich erfahrungsgemäß am Wochenende viele Outdoorbegeisterte in der Bergwelt Gran Canarias tummeln.
Zusammenfassung:
Eine mittelschwere Tour, die neben guter Trittsicherheit und festem Schuhwerk auch eine gewisse Kondition und Schwindelfreiheit voraussetzt. Der Weg führt über ausschließlich unbewaldetes Gelände und sollte daher nur im Winterhalbjahr und möglichst bei bedecktem Himmel absolviert werden. Die Route ist gut ausgeschildert und markiert, was hilfreich ist, da der Weg teilweise etwas zugewachsen ist. Proviant sollte eingepackt werden, da es unterwegs keine Verpflegungsmöglichkeit gibt.
Distanz: 14km, Höhendifferenz ca. 400m. Für die Tour sollten inklusive Rast und zahlreichen Fotostopps etwa 5-6 Stunden eingeplant werden.
Text: Guido - Fotos: Sandra und Guido