Unsere heutige Wandertour führt uns in den grünen Nordwesten der Insel. Vom beschaulichen Dorf Fontanales in der Gemeinde Moya aus startet unsere Tour bereits auf 1.000 Metern über dem Meerespiegel. Hier oben ist die Luft heute kühl und klar. Das sind ideale Bedingungen, um sich den knapp 500 Meter über uns liegenden Vulkankrater Pinos de Gáldar hinauf zu quälen.
Der Einstieg zur Tour ist nicht so einfach zu finden. Glücklicherweise gehe ich (Guido) diese Tour nicht zum ersten Mal. Unserer fünfköpfigen Wandergruppe schließen sich aus diesem Grunde noch zwei Gleichgesinnte an, die wir in einer Bar in Fontanales zufällig getroffen hatten, als wir uns noch schnell mit einem Kaffee stärkten, während die Beiden gerade an der dürftigen Tourbeschreibung ihres Wanderführers verzweifelten.
In einem Eukalyptuswald startet unsere Tour. Schnell gewinnen wir an Höhe. Obwohl wir uns im grünen Norden befinden, erscheint die Natur ungewöhnlich trocken, da der ergiebige Winterregen auch hier immer noch auf sich warten lässt. Die ansonsten saftiggrünen Almwiesen dieser Gegend liegen vom Sommer gebräunt und verdörrt vor uns. Nachdem wir eine Landstraße auf einem Höhenkamm gequert haben, kommen wir in den Nebelwald. Von den Kiefern hängen die Bartflechten hinab und geben einen Hinweis darauf, dass hier häufig die Passatwolken durch das Gehölz ziehen. Heute hingegen scheint die Sonne, die Passatwolken halten heute Abstand und warten in Sichtweite draußen auf dem Ozean auf ihren Einsatz. Bedauerlicherweise wird auch die Nachbarinsel Teneriffa, die man von hier aus häufig sehr gut sehen kann, von ihnen eingehüllt. Der majestätische Teide, höchster Berg Spaniens und dritthöchster aktiver Seevulkan unseres Planeten, zeigt sich heute nur schemenhaft in den Wolken.
Rutschige Hänge aus kleinen Vulkansteinchen kündigen an, dass wir uns dem Vulkankrater nähern, der vor etwa 3.000 Jahren diese kleinen, in Blumentöpfen beliebten Steinchen in riesigen Mengen ausgespuckt hat. Man benötigt viel Kraft und Trittsicherheit, um sich auf diesem Untergrund weiter bergauf zu bewegen. Dieser Abschnitt erinnert an das Erklimmen der Dünen von Maspalomas, die ein vergleichbar anstrengendes Unterfangen darstellen. Nur liegt hier vor uns ein Berghang, dessen Ende man von unten noch nicht erahnen kann. Die Anstrengung wird großzügig mit atemberaubenden Panoramablicken belohnt. Schließlich erreichen wir den Höhepunkt unserer Wanderung am Rande des Vulkanschlotes in einer Höhe von 1.523 Metern: Ein traumhaft schöner Blick über die gesamte Nordküste der Insel bietet sich von hier oben. Von Las Palmas bis Sardina del Norte liegt uns die Küste zu Füßen und zwischen uns und der Küste genießen wir den Anblick des grünen, fruchtbaren Gartens der Insel.
Nach einer „Brotzeit“ geht es wieder bergab. Unser Weg führt uns nun über die nordöstliche Flanke des Vulkanberges hinab, unserem Ausgangspunkt in Fontanales entgegen. Hier zeigt sich eine ganz andere Landschaft, die hauptsächlich durch dichtes Ginsterbuschland und vereinzelte Eukalyptuswäldchen geprägt ist. Hier und dort gibt es Weiden, die darauf hinweisen, dass sich hier gerne Schafe und Ziegen herumtreiben. Über einen Bauernhof, der lautstark von einem freilaufenden, respekteinflößenden Hund bewacht wird, gelangen wir schließlich durch eine Kulturlandschaft mit üppigen Obst- und Gemüsegärten wieder zurück nach Fontanales. Hier oben macht sich bei nur 13 Grad eine herbstliche Stimmung breit, auf den Wegen liegt goldenes Laub. Das ist ein sehr ungewohnter Anblick für jemanden, der im subtropischen Süden der Insel lebt, wo es diese Jahreszeiten so nicht gibt. Bei mir werden heimatliche Gefühle freigesetzt.
Zusammen mit unseren neuen Bergkameraden aus dem Westfälischen setzen wir beim Fischessen unten am Ozean in Sardina del Norte diesem Tag bei einem romantischen Sonnenuntergang einen würdigen Abschluss.
Zusammenfassung:
Distanz: 10 km // zu überwindende Höhendifferenz: 523 Meter // reine Gehzeit: 3:30h.
Eine gewisse Grundkondition, Trittsicherheit und festes Schuhwerk für den anstrengenden Aufstieg über rutschigen Lavagris sind erforderlich.
Auf den Höhenzügen kann ein kühler Wind wehen, der den Wanderer nach dem schweißtreibenden Aufstieg schnell auskühlt. Daher sollte wärmende Kleidung mitgeführt werden.
Text und Bilder erstellt von Guido Gottfried - 16.11.2017