Wanderung Fortaleza am 5.2.17

Unsere heutige Wanderung führt uns in den südlichen Bereich der Caldera de Tirajana, dem zweitgrößten Einsturzkrater der Insel.

Bei Sonnenschein starten wir am Morgen in Maspalomas. Als wir hingegen den Ausgangspunkt unserer heutigen Wanderung in Santa Lucia erreichen, schwappen dort dicke graue Wolken über die imposante nördliche Kraterwand der Caldera de Tirajana und verstecken so den über allem thronenden, fast 2000m hohen Pico de las Nieves. Immer wieder werden wir anfangs von feinem Nieselregen benetzt, treten jedoch unbeirrt unsere Wanderung an. 

Von Santa Lucia wandern wir zunächst in südliche Richtung in den seewärts führenden Barranco bis zu den drei markanten Felsmassiven „Fortaleza chica“, „Fortaleza grande“ und „la Titana“. Hier hat sich das Schicksal Gran Canarias am 29. April des Jahres 1483 entschieden, denn hier wurde die Eroberung der Insel durch die kastilischen Truppen vollendet, nachdem die hierher geflüchteten letzten unbeugsamen Urkanarier zur Aufgabe überredet werden konnten. Zwei besonders unbeugsame kanarische Krieger haben an diesem Tage hier den Freitod durch einen Sprung in die Tiefe vorgezogen. In jüngerer Zeit wird dieser Ort daher von der separatistischen Bewegung immer am 29. April aufgesucht, um diesem Ereignis zu gedenken.

Die historische Bedeutung dieses Ortes wurde uns ganz deutlich, als wir am Fuße des „Fortaleza grande“ auf ein archäologisches Ausgrabungsfeld der Universität Las Palmas stoßen, auf dem noch gearbeitet wird. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin ist freundlicherweise bereit, unsere Fragen zu beantworten. Es ist schon beeindruckend, dass auch mehr als 500 Jahre nach dem Erlöschen der urkanarischen Kultur an diesem berühmten Ort immer noch bedeutsame Funde gemacht werden. Schließlich machen wir es uns für eine Brotzeit in einer der vielen Höhlen im „Foraleza grande“ gemütlich.

Unsere Wanderung führt uns nun in die entgegengesetzte Richtung zum Stausee von „La Sorrueda“. Dieser See ist hier nicht, wie üblich, durch eine Staumauer aus Beton entstanden, sondern durch einen im Jahre 1974 aufgeschütteten Staudamm. Allerdings gibt es aktuell nicht viel, was sich stauen ließe, denn dort, wo sich einst ein Stausee befand, ist jetzt allenfalls eine Pfütze zu finden. Darüber sind wir sehr erstaunt, schließlich empfinden wir den aktuellen Winter als nicht gerade regenarm. Ein Einwohner dieser Gegend, den wir später noch treffen, erklärt uns, dass der Regen hier zwar häufig, aber alles andere als ergiebig gewesen sei.

Von „La Sorrueda“ aus finden wir unseren Weg am östlichen Uferhang des ausgetrockneten Seebettes vorbei an einsamen oasenartigen Weilern und einsamen Fincas bis nach Ingenio, wo wir durch üppige Gärten bis nach Santa Lucia zurückwandern. Der Weg ist so voller schöner Impressionen, dass wir gar nicht mitbekommen, wie sich auch die Wolken über den Kraterrand zurückgezogen haben und der Nachmittag uns mit Sonne verwöhnt.

Zusammenfassung:

Eine einfache Wanderung, die geringe Anforderungen an die Kondition stellt. Festes Schuhwerk ist dennoch dringend anzuraten. Im Sommerhalbjahr sollte diese Strecke nicht begangen werden, da man fast durchgehend der prallen Sonne ausgesetzt ist.

 

Text und Fotos: Guido