Wanderung zum Arco de Coronadero am 26.9.2015

Der gemeine Genusswanderer plant seine Touren normalerweise mit Bedacht und frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“. Von diesem Grundsatz machen wir heute bei unserer Wanderung im Südosten unseres Eilandes einmal eine Ausnahme. Nichts deutet anfangs darauf hin, dass es noch eine schöne Wanderung werden könnte, denn wir starten auf einem staubigen Parkplatz zwischen Schnellstraße und Autobahn GC-1 in Bahía Felix (dort, wo der kanarische Landadel von der Errichtung weiterer 5.000 Hotelbetten träumt). Die Autobahn GC-1 unterqueren wir durch einen kleinen Tunnel und landen zunächst in einem Areal, das offensichtlich der illegalen Entsorgung von Bauschutt und anderem Unrat dient. Anschließend durchqueren wir ausgetrocknete, ehemalige Acker- und Anbauflächen. Warum hier jetzt nur noch Steine, Staub und Hochspannungsmasten wachsen, erklärt sich, als wir an einem vollkommen ausgetrockneten Stausee (Presa de La Monta) vorbeikommen.

Aber dann, urplötzlich, ändert sich die Wahrnehmung, denn wir stehen am oberen Rand des spektakulären Barranco Hondo. Ein grandioser Anblick, dessen Wirkung noch durch die vorher im Überfluss erlebte Ödnis verstärkt wird. So etwas nennt man wohl einen Wow-Effekt! Unser Bergkamerad Andy wagt den kühnen Vergleich mit dem Grand Canyon. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wir noch nichts von unserem Glück, das auf dem Wendepunkt der Tour auf uns wartet:

Der Arco del Coronadero! Diese natürliche Steinbrücke ist wirklich erst im letzten Moment auszumachen, so geschickt schmiegt sie sich an den rund 100 Meter tiefen Abgrund des Barranco Hondo. Hochzufrieden kehren wir an den Ausgangspunkt unserer Tour zurück. Wir sind froh, dass uns dicke Wolken die meiste Zeit vor der Sonne geschützt haben und uns vom Ozean her eine angenehme Passatbrise einen leichten „Fahrtwind" bescherte. Bei praller Sonne ist diese Tour sicherlich nicht zu empfehlen, denn es gibt absolut keine Möglichkeit, sich irgendwo unterzustellen.

Interessant ist diese Tour auch für alle Botaniker, denn aufgrund der trockenen, harten Bedingungen trifft man in dieser Zone praktisch nur endemische Pflanzen an. Hier prägen Tabaiba (Euphorbia Obtusifolia u. Kleinia Eriifolia) und Kandelaber-Wolfsmilch (Euphorbia Canariensis) die Landschaft. „Zugereiste" haben hier kaum eine Überlebenschance.

Zusammenfassung:

Eine Tour, die man besser in den angenehmen Wintermonaten unternimmt, nach Möglichkeit in Begleitung einer guten Kamera, da die grandiosen Landschaftsaufnahmen nicht in ein Smartphone oder eine Kleinbildkamera passen und zu guter Letzt mit etwas Geduld, da sich die Schönheiten der Route nicht gleich zeigen.

Eckdaten: Höhenunterschied ca. 300m, Wanderstrecke 10,5km, höchster Punkt der Wanderung ca. 300m ü.N.N.

Text und Fotos: Guido