Sind die Dünen noch zu retten?

(2.896 Wörter - Lesedauer 12 Minuten) - Der erste Tourist in den Dünen war der wohl berühmteste Seefahrer und Entdecker aller Zeiten. Er besuchte den Süden Gran Canarias bereits im Jahre 1502. Aber erst 459 Jahre später hat ein spanischer Adeliger den Massentourismus nach Maspalomas gebracht. Die Dünen haben diese turbulente Zeit leider nicht unbeschadet überstanden. 

Dieser Beitrag verrät einige interessante Details über das Naturphänomen an der Südspitze Gran Canarias. Auch die Identität des berühmten Seefahrers wird aufgedeckt. Vorrangig geht es in diesem Beitrag jedoch um die Frage, ob die Dünen von Maspalomas überhaupt noch eine Zukunft haben.

 

Die Dünen als Touristenmagnet

 Wer sich mit dem Gedanken trägt, seinen Urlaub auf Gran Canaria zu verbringen, wird sich zunächst in einem Reisekatalog oder im Netz informieren. Der erste Eindruck der Insel, sei es nun in Hochglanz oder HD, ist dann stets der Blick auf die Dünen. 

Auch wenn die Insel viel mehr bietet als nur diese Landschaft aus Sand, Ozean und einer Lagune nebst Oase: Diese einzigartige Naturkulisse in Maspalomas bleibt das unverkennbare Markenzeichen der Insel. 

 

Wer sich den Dünen über die obere Promenade „Paseo Costa Canaria“ in Playa del Inglés nähert, wird feststellen, dass die Werbefotos nicht übertrieben haben. Diese Landschaft vermittelt bei der ersten Begegnung einen Wow-Effekt. Und selbst nach einem langjährigen Aufenthalt auf Gran Canaria beeindruckt auch uns dieser Anblick immer noch. 

 

Allen Besuchern der Insel ist ein Ausflug zur Dünenlandschaft von Maspalomas zu empfehlen. Dieser Rat richtet sich auch und gerade an Urlauber, die nicht im touristischen Süden der Insel ihr Quartier beziehen. Gerade die Naturliebhaber sollten über den Tellerrand ihrer angemieteten Finca in den Bergen schauen und sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen, und zwar gerade weil es sich dort befindet, wo man es am wenigsten vermutet.

 

Ein Tipp für alle Urlauber: Betrachten Sie die Dünen im Licht der untergehenden Sonne. Das beeindruckt!

 

Schon Christoph Kolumbus wusste diesen Ort zu schätzen. Überliefert ist, dass er im Jahre 1502 auf seiner vierten Reise nach Westindien hier einen Stopp einlegte, um der Lagune frisches Trinkwasser und dem üppigen Palmenhain der Oase trockenes Brennholz zu entnehmen.

Die Dünen von Maspalomas
Die Dünen von Maspalomas

Wie die Dünen entstanden sind

 Hartnäckig hält sich das Gerücht, das Baumaterial der Dünen sei Wüstensand, der vom Wind aus der nahen Sahara herüber getragen wurde. Dem widerspricht die Zusammensetzung des Dünensandes; dieser besteht zu einem Großteil aus zerriebenem Muschel- und Korallenkalk, dem Sedimente aus den Inselbergen und Erosionsmaterial der Felsenküste beigemengt sind.

 

In einem Reiseführer war einst sogar zu lesen, die Dünen seien künstlich von Menschenhand angelegt. Man stelle sich das einmal vor: Ein Areal mit den Ausmaßen von sechs Kilometern in der Länge und zwei Kilometern in der Breite, mit bis zu zwölf Meter hohen Dünen als Touristenattraktion von Bulldozern zusammengeschoben. Zweifellos handelt es sich auch hierbei um ein Gerücht, das bereits viele Jahre vor der Erfindung von Fake-News die Runde machte.

Die Erklärung für dieses Naturphänomen ist deutlich naheliegender: Der Atlantische Ozean zu Füßen der Dünen liefert das Material. Den Transport übernehmen Wind und Gezeitenströmungen. In einem ewigen Kreislauf werfen die Wellen den Sand des Meeresbodens auf den Strand. Von dort übernimmt der kräftige Passatwind das Trocknen und den weiteren Transport in die Dünenlandschaft hinein. Irgendwann verschwindet der Sand dann wieder auf der anderen Seite im Ozean, wo er bereits von den Gezeitenströmungen für den Rücktransport zum Ausgangspunkt erwartet wird. So schliesst sich der Kreis.

Blick auf die Dünen von Maspalomas
Blick auf die Dünen von Maspalomas

Es ist in der Fachwelt umstritten, wie die Dünen einst entstanden. Es gibt Wissenschaftler, die das Alter der Dünen auf gerade einmal 265 Jahre schätzen. Demnach seien sie das Ergebnis eines gewaltigen Tsunamis, verursacht durch ein schweres Erdbeben in Lissabon im Jahre 1755. Dadurch sei eine gewaltige Menge an Sand vom Meeresboden auf die ebene Landfläche an der Südspitze der Insel geworfen worden. Was Zweifel an dieser Theorie aufwirft, ist die Tatsache, dass es keine Berichte über diesen Vorgang aus dieser Zeit gibt. Schließlich war die Insel im Jahre 1755 bereits mit Menschen besiedelt, von denen einige sogar des Schreibens mächtig waren. Da sollte man meinen, dass es erwähnenswert gewesen wäre, wenn plötzlich, quasi über Nacht, eine gigantische Dünenlandschaft im Süden der Insel entstanden wäre. 

Eine weitere Theorie besagt, dass die Dünen ihre Existenz dem glücklichen Zusammentreffen zweier Umstände zu verdanken haben: Das Absinken des Meeresspiegels nach der letzten erdgeschichtlichen Warmzeit sei hier auf die ungewöhnliche Landschaftsform an der Südspitze der Insel getroffen. Die Landschaft besteht hier aus einer flachen, pfannenartigen Ebene. Als sich dieses Gebiet noch am Grunde des Ozeans befand, sollen sich dort über Jahrtausende hinweg die Sedimente von Korallen und Muscheln abgelagert haben. Die Energie von Strömung und Brandung habe diese Ablagerungen allmählich zu feinem Sand zerrieben. Beim Rückgang des Meeresspiegels vor etwa 10 000 Jahren soll die pfannenartige Struktur der Landschaft die Hinterlassenschaften des Ozeans zurückgehalten haben. Der Passatwind habe daraus anschließend die Dünen geformt.

Nachdem sich die Entstehung der Dünen nicht eindeutig klären lässt, wenden wir uns besser einer einfacher zu beantwortenden Frage zu: Welche Bedeutung hat dieses Naturwunder für die Insel?

Ein einzigartiger Naturraum

 Die Dünenlandschaft von Maspalomas ist ein seltenes Naturphänomen. Nur die Nachbarinseln Fuerteventura und La Graciosa weisen ähnliche Landschaftsformen auf. Eine vergleichbare Dünenformation existierte einst an der Nordostküste Gran Canarias, wurde aber mittlerweile von der Großstadt Las Palmas zubetoniert. 

Ohne Frage bieten die Dünen für viele Pflanzen und Tiere eine Heimat. Nicht wenige Spezies haben sich perfekt an ein Leben in diesem speziellen Umfeld angepasst. Einige dieser Arten existieren nur hier. Der Fachmann nennt diese Lebensformen übrigens endemisch. Dieser Begriff begegnet dem interessierten Urlauber überall auf der Insel.

So sind die Dünen von Maspalomas ein wichtiger Rückzugsort der kanarischen Rieseneidechse („Lagarto Gigante“), die bei einer Körperlänge von bis zu 80 cm und ihrer kräftigen Statur an einen kleinen Drachen erinnert. Auch einige Gekko-Arten fühlen sich hier wohl. Darüber hinaus ist dieser Naturraum zur Heimat von nicht weniger als 120 Insektenarten geworden.

Meer aus Sand
Meer aus Sand

Eine wichtige Rolle bei der Gestaltung dieser Landschaft spielt ein Gewächs namens Balancón. Dieser buschartige Salzhafer bremst den sandgeschwängerten Passatwind aus und zwingt ihn so, sich der mitgeführten Last an Ort und Stelle zu entledigen. Dieser Vorgang kann zur Geburt einer stattlichen Düne führen, die im Erwachsenenalter eine Höhe von 12 Metern erreicht. 

Das Naturschutzgebiet umfasst jedoch nicht nur die Dünen sondern auch die angrenzende Lagune, die La Charca genannt wird. Diese befindet sich südwestlich der Sandberge und gleicht einem Festungsgraben, der vor weiteren Übergriffen der touristischen Bettenburgen schützt. In der Lagune vermischen sich Salz- und Frischwasser, was einen einzigartigen Lebensraum für die Vogelwelt entstehen ließ. Neben zahlreichen Nistvogelarten schätzen hier auch Zugvögel das angenehme Klima im Winter. Westlich der Lagune erahnt man noch die Oase mit ihrem dichten Wald aus kanarischen Dattelpalmen. Teile des Palmenhains wurden mittlerweile zu schattigen Hotelgärten umfunktioniert.

Kaum zu glauben, dass sich so viel ursprüngliche Natur in unmittelbarer Nähe zu einem Touristenzentrum befindet.

 

Kann das auf Dauer gutgehen?

Die Lagune von Maspalomas "La Charca"
Die Lagune von Maspalomas "La Charca"

Das Verhältnis zum Tourismus

 Herr über den Süden der Insel war einst der Conde (zu deutsch: Graf) Alejandro Castillo de Vega. Ein Mann mit Visionen, der sich ein fettes Tortenstück vom Massentourismus sichern wollte. So kam es, dass ab 1961 das pfurztrockene Land des Grafen um die Südspitze der Insel herum für den Tourismus geöffnet wurde. Ein gigantisches Erschließungsprojekt mit dem wohlklingenden Namen Maspalomas Costa Canaria gestaltete die Region komplett um. Aus wüstenähnlichem Ödland, Tomatenfeldern und Weidegrund für freilaufende Ziegen entstand eine Urlauberstadt mit allen Vorzügen der modernen Zivilisation. Innerhalb weniger Jahre wurde die Dünenlandschaft von Hotel- und Appartementanlagen umzingelt. Mittlerweile ist im Süden der Insel das größte Touristenzentrum der Kanarischen Inseln mit rund 120 000 Betten in Hotels und Appartmentanlagen entstanden. Glücklicherweise wurde dabei nicht auf Sand gebaut. In den ersten Pionierjahren des Baubooms soll aber Dünensand tatsächlich für die Herstellung von Mörtel und Beton hergehalten haben. 

Playa del Inglés
Playa del Inglés

Doch selbst im Zeitalter des Massentourismus haben die Dünen von Maspalomas ihren Reiz nicht verloren. Sie sind ein Magnet, der viele Urlauber anzieht und damit zum Aushängeschild für die Insel Gran Canaria geworden ist. Es gibt mittlerweile einige beeindruckende Imagefilme, die im Auftrag des hiesigen Tourismusverbandes im Dünensand abgedreht wurden. War diese Landschaft zu Beginn der Tourismusbewegung eher noch im Wege, so hat man mittlerweile ihren Wert als Werbeikone und Markenzeichen erkannt. Im Jahre 1987 wurden die Dünen von Maspalomas endlich zum Naturschutzgebiet erklärt („Reserva Natural Especial de las Dunas de Maspalomas“). 

 

Haben wir hier das Happy-End einer Geschichte, in der sich zwei Konkurrenten - das Kapital gegen den Naturschutz - zunächst feindselig gegenüber stehen, bis sie erkennen, dass sie sich gegenseitig brauchen und sich versöhnen? 

Die Lage ist ernst

 Dass die Dünen nun bereits seit 33 Jahren unter Naturschutz stehen, war im Alltag bisher kaum zu erahnen. Abgesehen von einigen Hinweisschildern und dezenten Absperrungen ist der Naturschutz in den Hintergrund getreten.

Eine Studie der Universität Las Palmas besagt, dass die Höhe der Dünen in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich abgenommen habe, was auf die starke touristische Nutzung sowie auf die Bebauung entlang der Dünen und dadurch veränderte Windverhältnisse zurückzuführen sei. 

 

Seit 1961 habe die durchschnittliche Höhe der Dünen um 1,85 Meter abgenommen. Ein Vergleich von Satellitenaufnahmen aus den zurückliegenden 50 Jahren hat ergeben, dass die Fläche der Dünenlandschaft seit Beginn des Massentourismus im Jahre 1961 um 24% abgenommen habe. So musste der nördliche Teil des Areals einem Golfplatz weichen. Auch einige Bungalowanlagen befinden sich auf ehemaligem Dünengelände. Vor dem Bauboom betrug die Gesamtfläche der Dünen rund 475 Hektar. Seither schrumpfte die Fläche kontinuierlich auf die heutige Größe von etwa 350 Hektar. 

 

Aber auch der Ozean nagt an der Küstenlinie. Stellenweise ist der Atlantik in den letzten 50 Jahren bis zu 70 Meter in das Gebiet vorgedrungen. Daraus errechnet sich ein zusätzlicher Geländeverlust von 7,7 Hektar.

Die Wissenschaftler der Universität Las Palmas sehen die Ursache für diese Entwicklung in einem gestörten Sandkreislauf. Seit 1961 gehe diesem System mehr Sand verloren, als ihm am anderen Ende wieder zugeführt werden kann. Das liege zum einen daran, dass der frisch angespülte Sand am Strand von El Inglés täglich von abertausenden Urlauberfüßen verdichtet werde. Vor allem aber sei der nahezu komplette Verlust der Dünenvegetation im strandnahen Bereich dafür verantwortlich, dass die Dünen nicht mehr wachsen können und der frische Flugsand ungenutzt entweicht.

 

Nach den Berechnungen der vorliegenden Studie könnten die Dünen von Maspalomas bei Fortschreiten dieser Entwicklung in etwa 90 Jahren verschwunden sein.

 

Aber was die vorliegenden Zahlen und Fakten erst bedrohlich erscheinen lässt, ist die unglaubliche Ignoranz, die ihnen entgegengebracht wird. Wie in Maspalomas gelebter Naturschutz in der Realität aussieht, veranschaulichen nachfolgende Beispiele:

 

Da die Dünen für viele Urlauber zwischen ihrer Unterkunft und dem Strand liegen, werden sie als Abkürzung missbraucht. Absperrbänder, die das zarte Grün des jungen Salzhafers schützen sollen, werden von ignoranten Horden leichtfertig überrannt. 

 

Das versteckte Hinterland der Dünen ist zum Sehnsuchtsort von Sextouristen degradiert. Hier werden allerlei Fantasien unter freiem Himmel hemmungslos ausgelebt. Das hat Ausmaße angenommen, die es unmöglich machen, mit Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren den offiziellen Wanderweg Nr. 3 durch die Dünen zu benutzen, da man ansonsten zum unfreiwilligen Zeugen so mancher Ferkeleien am Wegesrand werden könnte. 

Hinterland der Dünen - Wanderweg Nr. 3
Hinterland der Dünen - Wanderweg Nr. 3

Gerne leben teutonische Touristen in den Dünen ihren Traum vom eigenen Strandrevier. Dafür braucht man noch nicht einmal Strandburgen wie an Nord- und Ostsee bauen. Hier hat Mutter Natur bereits die praktischen Sandhügel zur Verfügung gestellt. Diese muss man nur erklimmen und in Besitz nehmen. So hat man einen wunderbaren Überblick über das Geschehen am nahen Strand und genießt gleichzeitig Privatsphäre im Massentourismus. Diese Plätze sind aber auch bei Touristen gefragt, die dort, wo vereinzelt noch Buschwerk die Dünenspitze ziert, ungestört vor fremden Blicken ihre Notdurft verrichten können. 

 

Hinzu kommt, dass gerade in den Sommermonaten die heranwachsenden Insulaner die Dünen gerne als riesige Sandkiste benutzen, in der sie sich, vorzugsweise unter starkem Alkoholeinfluss, noch einmal so richtig austoben, bevor sie dann hoffentlich endlich erwachsen werden.

 

Wie bitte?“ mag sich da so mancher Urlauber empören, „das soll alles nicht erlaubt sein, nur weil man sich in einem Naturschutzgebiet befindet? Also erstens macht es der Nachbar auf dem nächsten Hügel auch so und ausserdem nehmen es die Spanier ja selbst nicht so genau mit den Regeln. Als Tourist hat man Narrenfreiheit. Und wenn doch mal einer was sagt, dann kann man sich auf mangelnde Sprachkenntnisse berufen. Die sollen sich mal nicht so haben, wir bringen dafür die Kohle ins Land.

Dünenwanderer
Dünenwanderer

Es braucht ein Wunder

 Diese Geisteshaltung erscheint übertrieben? Leider soll das hier kein satirischer Beitrag werden. Es gibt zu viele Menschen, nicht nur Urlauber sondern gleichermaßen Einheimische, die immer noch so denken und handeln. 

Diese Missstände sind ebenso wie die knallharten Fakten zum Dünensterben hinlänglich bekannt. Statt dagegen rigoros vorzugehen, wurde dieses Treiben bisher geduldet. Kontrollen durch die Polizei gab es bisher nur, wenn es sich überhaupt nicht vermeiden ließ. Das legt den Verdacht nahe, dass der oben zitierte, imaginäre Urlauber mit seiner Aussage so falsch nicht liegt. Es könnte also tatsächlich wieder einmal nur um die „Kohle“ gehen. Schließlich will man die Kuh, die man melkt, nicht verärgern. Sie soll schließlich weiterhin ordentlich Milch geben. 

 

Von einer Versöhnung zwischen Kapital und Naturschutz auf Augenhöhe kann hier also nicht die Rede sein. 

 

Stattdessen setzt man auf ein gigantisches Renaturierungsprogramm mit dem klangvollen Namen Masdunas. Während man Millionenbeträge im Ozean versenkt, entnimmt man im Gegenzuge von dort etwa 60 000 Kubikmeter Sand. Dieser wird anschließend mit Bulldozern am Strand hin- und hergeschoben, damit ein Wunder geschehe und die Dünen endlich wieder wachsen mögen.

 

Wäre es nicht kostengünstiger, endlich zu akzeptieren, dass allein der Mensch mit seinem Verhalten die Ursache für die Not der Dünen ist?

Leider bestand lange Zeit kein Interesse daran, der Ursache des Übels auf den Grund zu gehen. Stattdessen wurden mit Steuergeldern die Folgen notdürftig kaschiert.

 

Aber dann geschah ein Wunder! 

Einem kleinen Virus ist gelungen, woran Armeen von Wissenschaftlern bisher gescheitert sind. Es wurde der unanfechtbare Beweis erbracht, dass der Mensch der Verursacher dieses Elends ist. Niemand kann die Tatsache mehr leugnen. Allenfalls der amtierende U.S. Präsident würde hier jetzt noch widersprechen.

Aber wie hat COVID-19 das nur geschafft?

Dünen im Sturm
Dünen im Sturm

Ein Virus rettet die Dünen

 Wie in so vielen Bereichen unseres Lebens hat der Virus auch im Naturschutz zu einem Umdenken geführt. Der Lock-Down hat uns bewusst gemacht, wie sehr die Dünen in den letzten 50 Jahren unter der Last des Massentourismus gelitten haben. Diese Wende war nur möglich, weil es schlagartig keinen Tourismus mehr gab. Selbst den Insulanern war es während der strengen Ausgangssperre verboten, auch nur in die Nähe der Dünen zu gelangen. 

 

Als die Maßnahmen dann schrittweise gelockert wurden, durften die Einwohner von Maspalomas die Dünen zumindest wieder aus respektvollem Abstand bewundern. Und es war gut zu beobachten, was Corona dort bewirkt hatte: Keine Fußspuren im Sand, kein Wohlstandsmüll weit und breit. Der Anblick der seit mehr als 50 Tagen unangetasteten Dünen war beeindruckend und schmerzlich zugleich. 

Jüngste wissenschaftliche Messungen unterstützen den subjektiven Eindruck: Die Höhe der Dünen sei erstmals wieder gestiegen. Niemand kann nun mehr den menschlichen Einfluss als Ursache für den Niedergang der Dünen bestreiten. 

 

Die Reaktion von offizieller Seite folgte prompt: Seit dem 20. Mai 2020 stehen die Dünen von Maspalomas unter dem besonderen Schutz der Inselregierung. Vier Beamte der Umweltbehörde, verstärkt durch zwei Polizeibeamte der hiesigen Gemeinde, überwachen jetzt endlich die Einhaltung der Regeln im Naturschutzgebiet. Die Beamten dürfen Polizeigewalt ausüben und bei Missachtung der Vorschriften sogar Bußgelder von bis zu 600 Euro verhängen. Besonders teuer wird es künftig für diejenigen, die sich an der Natur vergreifen, indem beispielsweise Pflanzen oder Tiere als Souvenir entnommen werden. Wer diesen Tatbestand erfüllt, kann mit einer Geldstrafe von bis zu 600 000 Euro rechnen. Unterstützt wird die Task-Force von einem siebenköpfigen Team, das für die Reinigung und Pflege der Dünen zuständig ist. 

Strandlauf entlang der Dünen
Strandlauf entlang der Dünen

Die Ankündigungen klingen zunächst einmal gut. Auch wenn die Behörden sich die Frage gefallen lassen müssen, warum man sich erst jetzt zu Maßnahmen durchringen konnte, die für ein Naturschutzgebiet doch selbstverständlich sein sollten, zumal wenn sich dieses in so konfliktträchtiger Nähe zur Tourismusindustrie befindet und bereits seit 1987 existiert.

Dennoch sind wir guter Hoffnung, dass sich wirklich etwas bewegt. 

 

Aber was stimmt uns so optimistisch?

Den vollmundigen Ankündigungen folgten bereits die ersten Taten. Einen Monat nach Aktivierung der Dünenpolizei sind bereits neun Bußgeldbescheide an uneinsichtige Bürger und Urlauber ausgestellt worden. Ausserdem hat die Putzkolonne bereits eineinhalb Tonnen Zivilisationsmüll aus dem Naturschutzgebiet entfernt. Es wird also gehandelt. 

Strandbetrieb vor der Coronakrise
Strandbetrieb vor der Coronakrise

Eine neue Ära im Tourismus 

 Auch auf Gran Canaria hat man endlich die Zeichen der Zeit erkannt: Am Beispiel der Dünen von Maspalomas wird deutlich, dass es auch im Naturschutz eine Neue Normalität gibt. Die Vorherrschaft des Massentourismus ist endgültig gebrochen. 

Die politisch Verantwortlichen haben anerkannt, dass nur der Mensch allein für den Niedergang der Dünen verantwortlich ist. Auch wird nun von offizieller Seite betont, dass man nicht auf die Selbstheilungskräfte der Natur vertrauen dürfe, auch wenn sich die Dünen in den 50 Tagen der Quarantäne bemerkenswert erholt hätten. Es hat sich stattdessen die Erkenntnis durchgesetzt, dass nur eine tiefgreifende Veränderung im Verhalten aller Beteiligten im Umgang mit diesem Naturschatz eine positive Veränderung herbeiführen kann. Wo man noch Schwierigkeiten mit der Umsetzung hat, wird der Erkenntnisprozess nun mit Strafen und Sanktionen etwas beschleunigt.

 

Man lebt nun auch hier auf Gran Canaria endlich glaubhaft den nachhaltigen Tourismus. 

In Zukunft ist also zu erwarten, dass die grandiose Natur der Insel nicht dem Tourismus sondern vielmehr der Tourismus dem Schutz der Natur dient. 

 

Die Zukunft der Dünen von Maspalomas ist gesichert!

Fotos und Text: Guido Gottfried

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0