Ausflug in den Norden der Insel am 15.11.2017

Wenn man längere Zeit auf diesem Eiland verweilt aber ursprünglich auf einem anderen Kontinent und in einer anderen Klimazone sozialisiert wurde, so kommen irgendwann zwangsläufig heimatliche Gefühle auf und man verspürt Sehnsucht nach grüner Vegetation, dem Duft des Waldes und dem Anblick von goldenem Laub im Herbst, sowie in unserem speziellen Fall (Sandra+Guido) auch nach richtigem Großstadtflair.

Wenn man das Glück hat, auf dieser Insel zu leben, so muss man nicht weit reisen, um diese Sehnsüchte zu befriedigen:

Als Kontrastprogramm zum wüstenartigen und kulturarmen Süden der Insel ist es für die Seele und das Auge von Zeit zu Zeit sehr angenehm, in die mystische Welt des Nordens einzutauchen. Damit ist freilich nicht der kalte, neblige Norden des europäischen Kontinents gemeint. Vielmehr reicht es, sich in sein Auto zu setzen, um nach einer Stunde Fahrt über die Inselautobahn die Landschaft im Norden der Insel zu erreichen.

Genauso haben wir es wieder einmal am 17. November 2017 getan.

Unser erster Stopp ist die Inselhauptstadt und dort die Altstadt von Vegueta. Nach einem Besuch der Markthalle schlendern wir durch die Gassen bis zur Kathedrale Santa Ana. Von Dach und Turm dieses imposanten Gotteshauses verschafft man sich einen guten Überblick über Las Palmas und die mit bunten Häusern zugewachsenen Hügel rundherum sowie über den Hafen, der eigentlich etwas abseits in Santa Catalina liegt, dessen Existenz sich jedoch durch die zahlreichen, direkt vor der Kathedrale im Ozean auf Reede liegenden Schiffe nicht verleugnen lässt.

Nachdem genügend Großstadtflair aufgesogen ist, geht es im Auto weiter entlang der wilden Nordküste bis in das Landstädtchen Arucas, dessen Schönheit in der Architektur dem vergangenen Reichtum der einst hier ansässigen Zuckerbarone zu verdanken ist. Die Vergangenheit als Metropole des Zuckerrohranbaus wird auch dadurch deutlich, dass hier noch heute Rum produziert wird. Das erregt natürlich unsere ganz besondere Aufmerksamkeit und so statten wir der landesweit bekannten Rumdestillerie von Arehucas einen Besuch ab. Dort hat man kürzlich für die zahlreichen Gäste umgebaut und renoviert. War eine Besichtigung früher kostenlos möglich, so werden jetzt EUR 2,50 pro Nase verlangt, um in die heiligen Hallen der Rumproduktion zu gelangen. Allerdings wird dafür auch wesentlich mehr geboten als in früheren Zeiten. 

Am Ende der Besichtigungstour steht wie schon immer das Probieren der verschiedenen Produkte des Hauses und die anschließende Möglichkeit, all’ diese Köstlichkeiten auch käuflich zu erwerben. Neu hinzugekommen ist eine große Auswahl an sonstigen Merchandiseartikeln. Vom T-Shirt bis zum Kühlschrankmagneten kann man nun auch hier viel bunten Touristennippes erwerben. Das ist etwas schade, denn eigentlich sind wir hier im Norden, um gerade einmal diesem ganzen Touristengedöns zu entfliehen. Früher war eben auch in der Rumfabrik alles besser!

Da bleibt jetzt nur noch die Flucht in die Natur. Also weiter geht’s Richtung Moya in die urwaldartig-grüne Landschaft des Lorbeerwaldes. Bevor wir uns auf den 1,8 km langen Waldlehrpfad machen, stärken wir uns am Eingang zum Barranco de los Tilos im gleichnamigen Restaurant mit leckeren landestypischen Spezialitäten. Eigentlich sollte ich über dieses Restaurant kein Wort verlieren, damit es weiterhin ein Geheimtipp bleibt. Aber andererseits sollte man überraschend positive Erfahrungen in der Gastronomie niemals für sich behalten. Und wir waren wirklich alle sehr angenehm überrascht über Service, Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis. 

Nach dem leckeren Mahl gibt es keinen Grund mehr, die kurze Wanderung durch den Lorbeerwald weiter hinauszuschieben. Warum auch? Wenn man vorher weiß, was einen erwartet, dann kann man dieses Erlebnis eigentlich gar nicht abwarten. Diese Landschaft erfüllt die Erwartungen, die zu Beginn dieses Textes mit den dort gewählten Attributen für den Norden der Insel aufgebaut wurden, voll und ganz.

Das zeigen hoffentlich die beigefügten Bilder besser als man es mit Worten beschreiben könnte.

Nach diesem Ausflug fühlen wir uns nun wieder stark genug, um für längere Zeit den ständigen Sonnenschein, die angenehmen Temperaturen, Sand, Dünen und Ozean im Süden der Insel zu ertragen…

Text und Bilder von Guido Gottfried, 20.11.2017