Frühe Mandelblüte

Nur noch sehr wenige Bergbewohner auf Gran Canaria können sich daran erinnern, wann es zum letzten Mal bereits unmittelbar nach der Weihnachtszeit eine Mandelblüte gegeben hat...

Die ungewöhnlich hohen Temperaturen des zurückliegenden Dezembers, hervorgerufen durch eine längere Ostwindphase, die warme und trockene Luft brachte („Calima“) und keinen einzigen Regentag zuließ, sind für dieses Naturschauspiel verantwortlich. Diese ungewöhnliche Wetterlage veranlasste nämlich die Mandelbäume zu glauben, dass der Frühling bereits vor der Tür steht. Normalerweise erwachen die Bäumchen erst Ende Januar aus dem Winterschlaf, sobald das Thermometer dauerhaft über 8 Grad Celsius bleibt.

Die Mandelbäume, die gut und gerne 400 Stunden Kälte im Jahr mögen und nicht unterhalb von 400 Metern über dem Meeresspiegel wachsen, tauchen bereits jetzt die Täler und Berghänge von Valsequillo, Tejeda, San Bartolomé sowie teilweise auch Agaete, Telde, Santa Lucía und Artenara in Weiß und Zartrosa. 

Der Anbau der Mandelbäume war insbesondere im letzten Jahrhundert für die Insel von großer Bedeutung. In den mittleren und höheren Lagen der Regionen um Tejeda und San Bartolomé gediehen die damals noch exotischen Bäume, die ursprünglich nicht hier wuchsen, besonders prächtig. Dabei hat sich eine Art Symbiose mit der Ziegenhaltung als sehr vorteilhaft erwiesen. Die Blätter der Mandelbäume dienten den Ziegen im Spätsommer als Nahrung, im Gegenzug wurde die Vegetation um die Mandelbäume herum im Winter durch die Ziegen kurz gehalten und Dünger für die Bäume gab es gleich gratis dazu. 

Wir empfehlen allen Urlaubern sich dieses Naturschauspiel einmal vor Ort anzuschauen. Etwas später, am ersten Wochenende im Februar ist das Mandelblütenfest von Tejeda ein Pflichttermin. Wer terminlich verhindert ist, dem empfehlen wir, zumindest die zahlreichen Mandelprodukte der Insel einmal zu kosten, zu denen allen voran das köstliche  „Mazapán“ oder auch das ursprünglich aus Venezuela stammende „Bienmesabe“ zählen. 

Text und Fotos: Guido