Aus sieben Inseln werden acht !?

Jedes Kind in Spanien weiß, dass mit der Bezeichnung "siete islas" (=die sieben Inseln) der kanarische Archipel gemeint ist. So hat sich diese Bezeichnung im Laufe der Jahrhunderte auch in der kanarisch-spanischen Literatur und im hiesigen Liedgut fest etabliert. Selbst Gesetzestexte, wie das Autonomiestatut der kanarischen Inseln greifen diese zwei Worte auf. Sogar das kanarische Wappen zieren die sieben Inseln. Und man treibt es gar auf die Spitze, indem man Venezuela, das lateinamerikanische Land mit den meisten kanarischen Auswanderern scherzhaft als achte kanarische Insel bezeichnet. Kein Zweifel also, der Archipel muss aus sieben bewohnten Inseln bestehen. Oder etwa doch nicht? ...

Wie ich heute aus der kanarischen Tageszeitung Canarias7 erfahren musste, lassen immer mehr Canarios ihrem Unmut darüber Luft, dass man eine achte, bewohnte Insel bisher konsequent übersehen hat. Und tatsächlich, wenn wir die nachweislich bewohnten Inseln des Archipels einmal aufzählen:  Teneriffa, Fuerteventura, Gran Canaria, La Palma, Lanzarote, La Gomera, El Hierro und La Graciosa -so kommen wir tatsächlich auf ACHT!!! Wie ist das möglich? Ja, man hat bisher konsequent die kleine aber bewohnte Insel La Graciosa, welche nördlich und in Sichtweite von Lanzarote liegt, ignoriert.

In den sozialen Medien wird jetzt immer lauter (und nicht immer ganz ernsthaft) gefordert, zukünftig nur noch die Bezeichnung "ocho islas" zu verwenden. Demnach müssten zahlreiche Gesetzestexte, Verse und Liedtexte geändert werden. Man denke nur an den bekannten Song Paso Doble Islas Canarias der kanarischen Kultband Los Sabandeños !

Und der hierzulande bekannte Komiker Darío López fragt mit einem Augenzwinkern, welche Bezeichnung dann in Zukunft wohl Venezuela zukäme. Etwa die neunte kanarische Insel? Das wäre für dieses wunderbare aber momentan sehr geschundene lateinamerikanische Land entwürdigend, so behandelt zu werden wie ein Programmplatz auf einer TV-Fernbedienung, den man mal eben nach hinten verschiebt.

©️ Guido Gottfried 2018