Testbericht: Günstige Flugverbindung

Seit November 2016 wurde das Angebot an Flugverbindungen einer gewissen irischen Fluglinie unter anderem um eine Direktflugverbindung nach Hamburg erweitert. Nun kann man also zumindest mit seinem Handgepäck zu traumhaft niedrigen Preisen in die Kälte fliegen und selbstverständlich auch in umgekehrte Richtung in die Wärme. Ob die Angebote dieser Fluglinie nun wirklich preiswert sind oder doch nur billig, das habe ich für euch in einem Selbstversuch getestet:

Start in den Sonnenaufgang auf Gran Canaria


Buchung und Flugpreise

Die zu testende Fluglinie mit Firmensitz in Irland steht in dem Ruf, der ungekrönte König der "Billigfliegerei" zu sein. Das Konzept der Fluglinie lautet: "Low fares made simple". Die Buchung über das Internet ist auf jeden Fall unkompliziert. Das Buchungsportal auf der Website ist trotz der vielen Werbebanner übersichtlich und aufgeräumt. Die Flugbuchung ist einfach, wenn auf diesem Wege auch viele potentielle Kunden ohne Affinität zum Internet bereits ausgeschlossen werden.

Man kann zwischen drei Flugtarifen wählen, wobei die Sparversion sich auf einen Flug mit Handgepäck (einen kleinen Handgepäckkoffer und eine zusätzliche kleine Tasche mit insgesamt 10kg) und ohne jegliche Extras bezieht. Das Prinzip besteht darin, alle Extras auch extra zu bezahlen. Bucht man beispielsweise zum Spartarif einen Koffer bis 15 kg. dazu, dann zahlt man EUR 28,-- extra. Ein XXL-Sitzplatz mit Beinfreiheit am Notausgang kostet EUR 15,-- extra, was aber immer noch wesentlich günstiger als bei anderen Fluglinien ist. Alle Getränke und Speisen an Bord sind extra zu bezahlen. So kostet ein Kaffee während des Fluges EUR 2,-- (um es gleich vorweg zu nehmen: Der Kaffee ist schrecklich!).

Die Fluglinie wirbt aktuell mit Kampfpreisen ab EUR 9,99 auf der Strecke Las Palmas-Hamburg. Ich konnte einen solchen Preis aber nirgends finden. Für die kommenden Monate liegen die Preise für den Spartarif zwischen EUR 39,-- bis EUR 275,-- für die einfache Strecke. Man sollte also zeitlich flexibel sein, um in den Genuss der besten Preise zu kommen. 

Empfehlenswert ist auch, seine Spuren bei der Preisrecherche auf dem Buchungsportal zu verwischen. Also Cookies löschen oder besser gleich verschiedene Rechner benutzen, um auf die besten Preise zurückgreifen zu können. Für die Bezahlung muss man nicht zwangsläufig über eine Kreditkarte verfügen. Es geht beispielsweise auch per Paypal, was ich positiv finde. Bequem ist auch die App fürs Smartphone, was die Buchung und die spätere Abwicklung (Bordkarte als QR-Code) vereinfacht.

Guido opfert sich in einem Selbstversuch


Es geht los!

Viele Flüge der besagten Fluglinie gehen von Gran Canaria in Richtung Norden bereits am frühen Morgen. So geht mein Flug nach Hamburg bereits um 6:45 Uhr ab. Da muss man früh aufstehen! Will man bereits bei der Anreise zum Flughafen sparen, so kommt nur ein Bustransfer in Frage. Dieser kostet für die einfache Fahrt von Maspalomas aus bis zum Flughafen EUR 3,50. Wenn man zu nachtschlafender Zeit aufbrechen muss, dann bringt einen die Linie 5 aus dem Süden der Insel zum Airport. Der Bus der Linie 5 ist zu dieser Zeit allerdings oft gefüllt mit den Schnapsleichen der Nacht und hält an jeder Milchkanne. Deshalb sollte man Zeit und Nerven einplanen, was also bedeutet, noch viel früher aufzustehen oder gleich durchzumachen.

Besser man hat gute Freunde, die man mitten in der Nacht bemühen kann. Auch gibt es einen Langzeitparkplatz am Flughafen, der jedoch nur für eine kurze Aufenthaltsdauer in Frage kommt. Aktuell wird ein Wochenendtarif von Donnerstag bis Samstag für EUR 24,-- angeboten.

Aber wenn man es dann zum Flughafen geschafft hat, kann man mit seinem Handgepäck direkt zum Gate durchlaufen. Bei der Sicherheitskontrolle legt man dann einfach sein Smartphone oder die ausgedruckte Bordkarte auf den Scanner. Will man nach dem Flug ebenso schnell den Flughafen wieder verlassen, dann kommt hier ein wichtiger Tipp: Man sollte sich in der Schlange der wartenden Passagiere am Gate vor dem Einsteigen in die Maschine möglichst weit vorne platzieren, denn nur die ersten 90 Handgepäckstücke werden mit an Bord genommen, während die restlichen Gepäckstücke vor Betreten der Maschine abgenommen und im Frachtraum verladen werden. Dann darf man nach Ankunft geduldig am Gepäckband warten, um sein Handgepäck wieder zu erlangen.

Die Devise "Made it simple", die sich diese Fluglinie auf die Fahnen geschrieben hat, wird konsequent in jedem Bereich durchgezogen. So ist das Bordpersonal eine Personalunion aus Servicekraft und Putzkolonne. Bei jedem Passagierwechsel macht die Crew den Flieger selbst wieder vorzeigbar. Über die Sauberkeit an Bord kann ich mich jedoch dennoch nicht negativ äußern. Das habe ich anderswo schon viel schlimmer erlebt!  Auch habe ich gehört, dass die Flieger der besagten Fluglinie auf dem Vorfeld geparkt werden und nur mit dem Bus erreichbar sind, um Kosten zu sparen. Ich jedoch durfte ganz normal über eine Fluggastbrücke einsteigen.

Beim Rückflug von Hamburg aus war es allerdings recht befremdlich, durch eine Tür aus dem Terminal auf das Flugfeld zu gehen, um die Maschine zu Fuß zu erreichen und über die in der Boeing integrierte Hühnerleiter in die Maschine zu klettern. Ein Alptraum für Passagiere mit eingeschränkter Mobilität! Zum Glück hat es gerade nicht geregnet, denn naturgemäß verlief das Einsteigen schleppend und Wartezeiten im Freien auf dem Flugfeld ohne Rückzugsmöglichkeit in einen Flughafenbus im Falle einsetzenden Regens sind ein Horrorszenario. An Bord gibt es keinerlei Unterhaltungselektronik, keine Bildschirme, keine Musik, einfach gar nichts! Ich persönlich habe sehr vermisst, dass es keinerlei Fluginformationen, wie z.B. die aktuelle Position oder Restflugzeit gab. Auch gab es in dieser Hinsicht keinerlei Durchsagen. Also es gab schon Durchsagen, allerdings nur, um auf Schnäppchen, Angebote oder Glückslose hinzuweisen, die an Bord zu erwerben sind. Nervig! Auf das Prinzip "Service nur gegen Bares" bin ich bereits weiter oben eingegangen. Es ist allerdings auch kein Problem, seine eigene Verpflegung mit an Bord zu bringen. 

Mein persönliches Fazit

Diese Fluglinie ist empfehlenswert für Leute, die

  • kein Problem damit haben, Flüge direkt über das Internet zu buchen
  • einen Drucker oder ein Smartphone besitzen
  • zeitlich flexibel sind, um dann zu fliegen, wenn es wirklich günstig ist
  • im Idealfall mit Handgepäck bei ihrer Reise auskommen
  • auf Service während des Fluges verzichten können
  • körperlich einigermaßen fit sind, um in die Maschine zu gelangen

Und dann gibt es da noch die moralischen Bedenken: Die besagte Fluglinie steht hinsichtlich ihrer Personalpolitik im Kreuzfeuer der Kritik. Da ist die Rede von Dumpinglöhnen und Piloten, die als Scheinselbständige beschäftigt werden. Nach meiner Einschätzung entspricht das allerdings mittlerweile überall in der Branche dem wirtschaftsliberalen Zeitgeist. Nicht umsonst sind die sogenannten renommierten Fluglinien aktuell wegen ständiger Streiks in den Medien präsent. Das muss ein jeder mit seinem Gewissen vereinbaren.

Nicht billig aber preiswert ist diese Fluglinie dann, wenn man tatsächlich einen günstigen Tarif erwischt. Wenn für Hin- und Rückflug im Spartarif zusammen nicht mehr als EUR 150,-- bezahlt werden, dann ist das Preis-Leistungs-Verhältnis meiner Ansicht nach absolut in Ordnung.